Der Bericht zur Vermögensverteilung in Europa wird ja gerade durch alle Medien rauf und runter zitiert. Es ist mal wieder ein wunderschönes Beispiel, was man mit Statistiken alles falsch machen kann. Eine sehr gute Übersicht über die zahlreichen Fehler findet sich in egghats Blog:
http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2013/04/sind-wir-deutschen-jetzt-arm-oder-nicht.html
Für Lesefaule eine kurze Zusammenfassung:
- Die Versorgungssysteme (Renten, Gesundheit) werden nicht eingerechnet. Hier unterscheiden sich die Länder aber massiv.
- Der Bericht vergleicht Zahlen von verschiedenen Jahreszahlen insb. schon sehr deutlich veraltete
- Der Bericht basiert auf Haushalten, die aber unterschiedliche Größen haben
- Das Ding ist eine Umfrage. Wie sehr eine Verzerrung dadurch erfolgt ist unklar
Der Witz daran: In dem Bericht sind die meisten dieser Punkte angesprochen oder zumindest klar erkennbar. Wieso es dann trotzdem Journalisten gibt, die darüber einfach hinweggehen kann ich nur mit Unfähigkeit oder Mutwille begründen.
Das Design der Seite lässt noch etwas zu wünschen übrig, aber die Idee ist toll und die Umsetzung auch schon recht brauchbar:
http://wollmilchmedien.de/besserargumentieren/ (Danke @mundauf)
Es handelt sich um eine Seite, die sich (mal wieder) mit argumentativen Fallacies beschäftigt. Diesmal allerdings in Form eines Quartetts. Falls ihr also Kinder habt und ihnen ein ausreichend nerdiges Geschenk basteln wollt… Viel Erfolg damit:-) – Nette Idee! Jetzt noch das ganze so, dass ich damit direkt zum Copyshop gehen kann und es ist perfekt:-)
Ach wenn ihr schon dabei seit:
http://www.weltquartett.de/site/seuchen.html
(insb. geeignet auch als Geschenk für Universalimpfkritiker;-) )
Heute hab ich zwei Themen. Zum einen mal wieder eine Selbstbeobachtung und dann etwas zu einem “Fragebogen zur Geschlechterfrage in der Piratenpartei“
Quasi der Nachfolger zu dem früher schon vorgestellten Buch von Rolf Dobelli. Auch wieder viele nette Anekdoten darin. Immernoch sehr empfehlenswert. Was mir etwas negativ aufgefallen ist, dass doch sehr viele der Inhalte aus anderen Büchern (insb. aus “Thinking fast and slow” von Kahnemann), die bei mir rumliegen stammt. D.h. wirklich neu war mir deutlich weniger als im ersten Buch.
Trotzdem eine klare Kauf bzw. Verschenkempfehlung!
……………
Titel: Die Kunst des klugen Handelns
Autoren: Rolf Dobelli
Verlag: Carl Hanser
ISBN: 978-3-446-43205-5
Das Buch ist eine Collage von Artikeln von (ex-)Politikern, (ex-)Journalisten und anderen Medienvertretern. Eine Interessante Idee, doch vermisst das Buch zweierlei:
- Tiefe der Themen
- Abgestimmtheit der Artikel inkl. Redundanzfreiheit
Viele Autoren schreiben das Selbe. Stoibers “10 Minuten” werden mehrfach angesprochen und einmal zitiert und auch das Luther-Zitat “dem Volk aufs Maul schauen” kommt in drei Aufsätzen vor. Das lässt doch die Frage aufkommen wieso ich 20 mal lesen soll, was ich auch einmal lesen könnte. Wenn man den einzelnen Artikeln nicht die Möglichkeit gibt in die Tiefe zu gehen (da sie ja nicht wirklich auf ihre Vorredner eingehen können, und bereits gesagtes Voraussetzen können), hätte man zumindest auf sehr unterschiedliche Aspekte achten müssen. Aber auch hier wirken die meisten Artikel eher wie Einheitsbrei, die sich teilweise das Gleiche zu Schulden kommen lassen, wie sie kritisieren.
Nicht alles ist schlecht, so gibt es doch einige Lichtblicke. Z.b. der Artikel von Josef Joffe bringt das Dilemma der Politik sehr kurz und einfach auf den Punkt und auch der Blick hin zu einer direkten Demokratie von Roger Köppel bringt eine neue Idee ein. Daneben wäre noch der Artikel von Coordt von Mannstein für jeden der einen Wahlkampf plant ganz lesenswert.
Insgesamt merkt man glaub ich, dass ich eher enttäuscht bin. Hatte mir mehr erhofft und lese dann doch lieber weiter bei neusprech.org.
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Titel: Kauderwelsch – Die Sprache der Politiker
Autor: Mainhardt Graf Nayhauß (Hrsg.)
Verlag: Helmut Lingen Verlag, Köln
ISBN: 978-3-941118-93-5
ok, etwas reisserisch der Titel. Aber für diejenigen Leser, die sich nicht so sehr damit beschäftigt haben ist der akademische Streit darüber ob Irrationalität etwas Gutes oder Schlechtes ist evtl. entgangen. via Freakonometrics bin ich auf die folgende Seite gelangt, die ein wenig die Meta-Perspektive beschreibt. D.h. u.a. warum sind irrational. Insb. der Story-Telling Bias der dabei eingenommen wird:
Diese Sichtweise trifft sich ganz gut mit der von Kahnemann/Tversky die ja viele Sachen dazu publiziert haben. (zu “Thinking Fast and Slow” gibts bald auch nochmal ein Buchreview).
Eine gegenteilige Sichtweise nimmt Gerd Gigerenzer ein, der eher die Ansicht vertritt, dass diese Fehler zwar vorkommen, sie aber eigentlich sehr nützliche Mechanismen sind, die nur in manchen Kontexten nicht passen. Ein Artikel von ihm dazu kann man sich hier durchlesen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/volltexte/institut/dok/full/gg/theirrat/theirrat.pdf
Ich finden den Aspekt der Forschung in diesem Bereich spannend. Der Mensch besitzt gewisse Mechanismen, die an sich sehr sinnvoll sind. Durch die Forschung erkennen wir mehr dieser Mechanismen der Menschen und auch welche Fehler ggf. dadurch entstehen können. Durch dieses Wissen gibt es auch mehr Leute, die diese Fehler gezielt ausnutzen (können). Dadurch werden die ursprünglich sinnvollen Mechnanismen plötzlich zu einem Problem. Letztendlich ein Dilemma, weil die Kenntniss der Fehler und Mechanismen (das was ich ja auch durch diesen Blog versuche zu promoten) zwar hilft das Problem zu reduzieren, aber natürlich auch diverse Kosten verursacht (und sei es nur die Zeit, die Sachen durchzulesen).
Die Frage die sich daraus für mich ergibt: Schaffen wir es (im spieltheoretischen Sinne), die Kosten für das gezielte Ausnutzen der Mechanismen so sehr zu erhöhen, dass es sich nicht mehr wirklich lohnt es zu tun? (Und dadurch wird dann wiederum die Notwendigkeit ständig Achtsan hinsichtlich solcher Mechanismen zu sein, reduziert)
Ja, heute mal ganz banal, ein wenig was für den nächsten “wer hat das coolste Youtube-Video”-Contest. Zum einen möchte ich (naja eigentlich möchte ich es nicht nur, sondern ich tue es, habe aber einen gewissen Modalverben-Fetisch) auf eine Seite bei dieausrufer hinweisen: http://dieausrufer.wordpress.com/2013/01/22/taboos-of-science/ zum Thema “Taboos of Science”. (via http://skeptator.blogspot.de/ – wie immer eine Must-See Seite)
Daneben bin ich irgendwie irgendwann über die ASAP Science Videos auf Youtube gestossen. Mit so Themen wie “The Science of Orgasm”, “The Science of Hangovers”, “The Science of wheight loss”. Wenn ihr also erfahren wollt, dass eine Ejakulation 1500 TB Information enthält und ähnliches nützliches Wissen, dann seid ihr hier genau richtig: http://www.youtube.com/user/AsapSCIENCE?feature=watch
Und mal völlig unwissenschaftlich, überhaupt nicht mit dem Thema dieses Blogs zusammenhängend und einfach nur weil ich es kann:
- Titanen des Erdreichs (Danke Danielle) – Für Liebhaber von Naturfilmen;-)
- Butterfly Circus – Ein Film der Kategorie “Einfach nur schön”. Nix zum nur mal nebenher schauen!
Ok, na gut. Noch etwas inhaltliches. Mal wieder Bosbach/Statistik. Diesmal bei Sat.1 – n bissl populistisch aufgemacht, aber Bosbach ist einfach gut:
Im Gegensatz zu dem doch eher polemischen und übergreifenden Titel, handelt es sich bei dem Buch (auch laut Aussage des Autors) um einen Aufsatz der zu einem Buch aufgebaut wurde. Der Stil ist dementsprechend eher vom Schreibstil defensiv-wissenschaftlich gehalten. Inhaltlich bezieht er sich ausschliesslich um politische Lügen zwischen Staaten.
Interessant finde ich das Buch zum einen durch die Kategorisierung der verschiedenen Lügen und zum anderen auch die (begründete) Bewertung der Häufigkeiten und Folgen der Lügen auch im Vergleich zu innerstaatlichen Lügen.
Hier mal die wichtigsten Arten von Lügen:
- Angstmachen (Gefahren Aufbauschen)
- Strategische Vertuschung (Handlungen vor anderen Ländern bzw. Öffentlichkeit verstecken)
- Nationalistische Mytenbildung (Vergangenheit wird verzerrt dargestellt)
- Völkerrechtslügen (Völkerrechtsfeindliche Taten werden verheimlicht)
Bewertung: Kleines, schnell zu lesendes Büchlein mit ein paar netten Ideen. Aber die wichtigsten Punkte könnte man vermutlich in einem 3-5 seitigen Artikel schreiben.
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Titel: Lüge!
Autor: John J. Mearsheimer
Verlag: Campus Verlag
ISBN: 978-3-593-39469-5
Ihr kennt das sicher. Ihr lest ein Zitat und denkt euch “WTF?” – Dann lest ihr es im Orginal oder hört es in einer Aufzeichnung und denkt euch “Äh ja, SO ausgedrückt kann man das stehen lassen!”. – Ich hatte ja auch schonmal was dazu, dass gute Artikel immer auf die Primärquellen verweisen sollten hier im Blog. Heute geht es um etwas verwandtes:
Bei Zitaten wird auch viel gepfuscht. Insb. beliebt ist aus einem Kontext herausreissen oder in einen Kontext hineinstellen. Eine Seite die viele nette Artikel hat, aber eben auch darüber einen ist Anomalous Distraction. Viel Spass mit:
http://xtaldave.wordpress.com/2010/02/11/mis-quoting-quote-mining-quotology-quotography-lying/
Ich weiss nicht wie es euch geht, aber mir begegnen zum Thema Homöopathie deutlich mehr schlechte Argumente als zu vielen anderen Themen. Insb. eine Argumentations-Taktik kommt besonders oft vor: Sobald man keine Argumente in einem Gebiet mehr hat, schnell auf ein anderes springen. Das Ganze auch gerne in Schleifen.
Um die verschiedenen Argumente und vor allem um diese Themensprünge / Schleifen mal sichtbar zu machen habe ich aus einer Diskussion zu diesem Thema die Argumente gesammelt (ok den größten Schrott habe ich rausgefiltert und nur noch halbwegs sinnvolle Argumente verwendet) und mal diese Argumentationsketten aufgezeigt. Das Ding enthält recht viele Rechtschreibfehler, da ich vielfach die Aussagen 1:1 übernommen habe.
Wenn jemand Argumente zu bieten hat, die sich nicht irgendwo in diesen Ketten finden, dürfen diese gerne benannt werden. Eine Sache taucht nicht explizit drin auf, nämlich der Verweis auf die entsprechenden Studien. Wer die gerne hätte suche einfach mal bei Cochrane nach Edzard Ernst. Da sollte sich was finden lassen!
Und hier der Leitfaden:
http://www.kritisches-denken.de/Dokumente/diskussionsleitfaden_html/index.php