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Buchreview 14: Wunsch Bullshit im Universum

Auf der SkepKon gekauft und bereits durchgelesen. Das Buch handelt von dem Phänomen des „Du musst dir etwas nur genügend Wünschen, dann wird es das Universum bereitstellen“. Mit einer Mischung aus Comedy und wissenschaftlicher Argumentation werden die einzelnen Argumente, Wunder und Aussagen von den bekanntesten „Experten“ zu diesem Thema zerpflückt.

Das Buch ist recht locker zu lesen und kann als Klolektüre durchgehen. Viel neues und überraschendes wird man darin aber auch nicht finden. Für mich am besten herausgearbeitet war der Umgang mit dem Stöckchen-Hinwerfen (in diversen Varianten). Es wird etwas behauptet und dann mit einer nicht dazu passenden wissenschaftlichen Aussage belegt. (Und dann noch gesagt, dass die Wissenschaft zu doof ist, die Behauptung zu beweisen). Auf jeden Fall läuft es darauf hinaus, dass der Leser/Zuhörer/etc. von solchem Bullshit viel Zeit und Wissen drauf aufwenden muss, zu wiederlegen wo der Fehler in der Argumentation ist. Also eine Variante der „Umkehrung der Beweislast“.

Titel: Wunsch Bullshit im Universum

Autor: Jacky Dreksler, Hugo Egon Balder

Verlag: Pacific, 2007

ISBN: 978-3-9812015-8-1

Link des Tages 138: False-Positive Psychology

Die Psychologie ist ja keine exakte Wissenschaft. Genaugenommen gibt es doch erhebliche Anzeichen dafür, dass sie in vielen Fällen gar keine Wissenschaft ist (Sag ich als inzwischen B.Sc.-Psychologe). Hintergund ist die hohe Anzahl an positiven Ergebnissen, die berichtet werden (siehe z.B. auch hier). Der folgende Artikel beschreibt das Problem, dass Effekte gefunden werden wo gar keine sind:

http://pss.sagepub.com/content/22/11/1359.abstract

 

Link des Tages 137: The best way to win an argument

Kennt ihr das? Ihr argumentiert mit jemanden und nach ein paar Minuten merkt ihr, dass jedes weitere Argument völlig egal ist, da das Gegenüber sich nicht umstimmen lassen wird, egal wie gut die eigenen Argumente sind?! – Wenn ja, dann könnte der Folgende Link der auch sonst sehr empfehlenswerten Seite „MindHacks“ für euch was taugen:

http://mindhacks.com/2014/05/26/the-best-way-to-win-an-argument/

In sehr kurz: Statt selbst zu argumentieren sollte man lieber nach guten Erklärungen für die Argumente der Gegenseite fragen. Wenn man drüber nachdenkt klingt das eigentlich recht logisch…

Link des Tages 136: Placebo-Therapie

Letztes Wochenende war in München die SkepKon der GWUP. Leider wollte ich früher weg, so dass ich einen sehr spannenden Vortrag verpasst habe. Es ging um Placebo-Therapie. Aber dank @SkepKon kenne ich Slides im Netz, die das Thema hervorragend darstellen (Achtung etwas länger, aber SEHR lohnenswert!):

http://www.helios-kliniken.de/fileadmin/user_upload/Helios-Klinken.de/Bad_Groenenbach/Bilddaten_QM/Placebo_Mestel_25032013_4seitig.pdf

Das spannende an dem Thema finde ich ja, dass es ein Thema ist, was noch nicht so ewig erforscht wird. Gerade auch im Bereich der Psychologie gibt es sehr viel dass manche lieber nicht wissen wollen. Auch die ethische Frage: „Darf ein Arzt Placebos verschreiben?“ vs. der Frage: „Darf ein Arzt auf den Placebo-Effekt verzichten?“ ist sehr spannend. Zu letzt ist es oft auch der einzige Common Ground auf dem man sich mit vehementen Verfechtern von Pseudomedizin treffen kann.

In sofern: Mehr Placebo bitte!

Aktuelles: Hoaxilla-Vortrag über Pendel und moderne Sagen

Nachdem der Blog jetzt schon eine Weile brach liegt, ich aber weiter Links gesammelt habe, habe ich heute beschlossen ihn mal wieder etwas zu befüllen. Doch bevor es Links gibt, ein kurzer Bericht vom heutigen hervorragenden Hoaxilla Vortrag in der Reihe des Turm der Sinne unter anderem mitveranstaltet von der Regionalgruppe der GWUP Mittelfranken.

Es ging vor allem darum moderne Sagen von anderen Dingen (z.B. Märchen) zu unterscheiden und auch die typischen Merkmale zu erkennen. Typischerweise behandeln sie etwas moralisches, oft auch etwas das mit Scham oder Angst zu tun hat. Sie sind dabei plausibel, handeln oft in relativ alltäglichen Kontexten und alle Leute in der Geschichte verhalten sich so wie man es erwarten würde (anders als in einem Märchen). So genug darüber gesprochen. Hier ein Beispiel davon:

Ein Mann kauft auf einem Flohmarkt ein silbernes Pendel um mit seinen Freunden eine magische Seance zu veranstalten. Das Pendel soll angeblich dafür gut sein, Krankheiten erkennen zu können. Der Händler sagt ihm, dass das Pendel sehr gut funktioniert, aber niemals in der Nähe einer schwangere Frau verwendet werden darf. Die Freunde verwenden das Pendel aber eher aus Jux und glauben gar nicht daran, dass es wirklich funktioniert. Einer der Gruppe findet es aber falsch sich darüber lustig zu machen. Um ihn zu überzeugen, dass es sich nur um ein ganz normales Pendel ohne besondere Fähigkeit handelt, pendeln sie es eine ganze Weile über dem Bauch der hochschwangeren Frau von einem der Freunde. Doch zum Schrecken von Allen, erleidet die Frau kurz darauf eine Fehlgeburt. Was war passiert? Das Pendel enthielt größere Mengen Quecksilber und dieses Gift hat bei der Frau zu der Fehlgeburt geführt.  

Und was glaubt ihr? Sage oder Wahrheit?

(Update: Die Story ist hier natürlich verkürzt und diletantisch wiedergegeben. Richtig spooky kommen solche Geschichten nur von der Hoaxmistress rüber. Falls sie auf euch nur „sosolala“ wirkt, liegt das vermutlich an der fehlenden Livepräsentation;-) Pech gehabt wer gestern nicht in Nürnberg dabei war!)

Link des Tages 135: Nachdenken Bitte

Der heutige Link geht zu einer Seite mit einer Kategorie „kritisch denken“. Was mir besonders gut daran gefällt, ist dass in dem Blog viele Themen angesprochen werden, die ich immer mal wieder auch als Fragen habe. Im letzen Beitrag z.B. die Frage Wie antworte ich auf: Aber möglich wäre es ja doch?. Oder der Beitrag zuvor, der die Bedeutung der Quelle einer Nachricht anspricht.

Lohnt auch sonst ein wenig auf der Seite zu surfen, Viele nette Fragen angesprochen.

http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/

(Und nachdem der Autor quasi um die Ecke wohnt, sollte ich ihn glaub ich mal kontaktieren;-))

 

 

Beispiel 32: B.Z. und eine entstellte Aussage (und etwas Humanismus)

In meiner Twitter-Timeline fand sich heute der link zu einem Artikel der B.Z. mit dem Titel „Seit wann passt Religion nicht mehr zu“ (Kreuzberg scheint da weggeschnitten worden zu sein. (note: Ich verlinke übrigens bewusst nicht auf das Springer-Medium. Wer den Artikel lesen will, muss ihn duckduckgoen o.ä.) Als Unterüberschift findet sich folgende Zeile:

Gunnar Schupelius: Kreuzberg verweigert Bürgern die Ehrung, wenn sie in einer Kirche engagiert sind.

nach etwas Piraten und Grüne-Bashing folgt dann am Ende:

„In Artikel 4,2 Grundgesetz heißt es: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“. Friedrichshain-Kreuzberg, so scheint es mir, liegt jetzt etwas außerhalb unserer Verfassung.“

.

Die Aussagen haben ausgereicht mich erstmal stutzig zu machen. Und nachzurecherchieren (Eine Quelle oder ein Link zu dem Beschluss war oh Überraschung natürlich bei diesem Medium nicht gegeben) und hab den Beschluss dann auch recht einfach gefunden. Darin heisst es:

„Änderungsantrag PIRATEN:

Ziffer 1d) streichen „Religion“

Und der relevante Text der übrig bleibt:

„Geehrt wird ein gemeinwohlorientiertes und aktiv gestaltendes ehrenamtliches Engagement, das durch Einsatz und Kreativität Dinge möglich macht, die den Bürgerinnen und Bürgern des Bezirks zugute kommen und eine Bereicherung und Verbesserung für das Leben miteinander in Friedrichshain-Kreuzberg darstellen. Die zu ehrende Person/Gruppe/Initiative soll sich durch ein herausragendes Engagement über einen längeren Zeitraum in Gesellschaftsbereichen wie zum Beispiel Jugend und Familie, Kultur, Soziales, Sport, Umwelt, Entwicklung, Innovation, Wirtschaft und ein friedliches Miteinander verdient gemacht haben.“

Konkret wurde also nur Religion als Beispiel für ein gemeinwohlorientiertes Engagement, daß eine Bereicherung darstellt entfernt. Es spricht nichts dagegen, dass dieses Engagement auch im Rahmen einer religiösen Tätigkeit erfolgen kann und schon gar nicht (wie im Artikel behauptet), dass man als religiöser Mensch keine Bezirksmedaille mehr bekommen dürfe. Lediglich der religiöse Einsatz an sich wird nicht mehr explizit berücksichtigt, sondern es muss eben im Rahmen der zuvor genannten Kriterien erfolgen.

Also wieder mal ein Beispiel für Nicht-Journalismus (Man könnte jetzt leicht auf die Idee kommen, einen Zusammenhang zum Wahlkampf zu vermuten). Was ich nicht verstehe, ist wie man eine solche Meldung unreflektiert weitergeben kann. Schon das fehlen jeglicher Quelle sollte stutzig machen.

.

So aber um nicht nur zu meckern, will ich noch ein wenig meine Weltsicht zur Thematik. Insb. zum Verhältnis Religion, Humanismus und Staat darstellen:

Ich bezeichne mich selbst als humanistischer Agnostiker, der zum Atheisten wird, wenn jemand Religion über Humanismus stellen will. Zunächst mal ist der Glaube per Definition etwas, dass weder beweisbar noch wiederlegbar ist. Daher kann ich nicht wissen ob es etwas ausserhalb der Welt gibt. Wenn es jemand möchte oder es weshalb auch immer hilfreich erscheint dies zu tun, soll soll eins das gerne tun. Problematisch wird es in 2 Fällen:

1) Es werden aus dem Glauben Schlüsse gezogen die prüfbar sind, aber der Prüfung nicht standhalten. Beispiele wären Aussagen die Homosexualität als etwas unnatürliches sehen oder früher Aussagen, dass die Sonne um die Erde kreist, oder dass die Erde erst 6000 Jahre alt sei. etc.

2) Es werden aus dem Glauben Schlüsse gezogen die einem humanistischen Weltbild widersprechen. Sei es die Frage ob Hexen verbrannt werden, Kinder durch Beschneidung verstümmelt oder auch „nur“ der Mann über die Frau gestellt wird in der Schöpfung.

Bei der ersterem ist der Widerspruch zum wissenschaftlich kritisch-rationalem Weltbild. Auch dieses kann keine entgültigen Wahrheiten liefern. Aber es ist im Moment das beste Werkzeug was wir haben. Und der daraus resultierende Wissenszuwachs gibt der Methode recht. Und es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Erklärung korrekt ist.

Bei zweiterem ist die Frage worauf man die ethisch-moralische Komponente des Handelns basieren sollte. Auch hier kann man nur auf philosophische Überlegungen zurückgreifen. Ganz ohne Axiome, also Grundannahmen, ist es auch hier schwer. Aber die Würde des Menschen und die daraus resultierenden Werte wie Toleranz und Gewaltfreiheit abzulehnen fällt mir deutlich schwerer, als Werte die aus irgendeinem Buch bzw. einer Überlieferung abgeleitet sind. (Anm.: Ich merke grad beim Schreiben, dass ich in das Thema noch viel weiter eintauchen müsste um es halbwegs rund zu erklären. Leider hab ich grad die Zeit nicht für. Kommt aber vermutlich irgendwann)

Was hat das jetzt mit dem Beispiel von oben zu tun? Abgesehen davon, dass eine gezielte Missinterpretation der Handlung und insb. der Intention dahinter meiner Vorstellung von humanistischem Handeln widerspricht, ergibt sich auch aus dieser Philosophie, den Änderungsantrag der Piraten gut zu finden. Religion aleine ist nichts Gutes. (Auch nicht zwangsweise was schlechtes, weswegen auch der Umkehrschluss (wie er in dem Artikel behauptet wurde) nicht zulässig ist). Die Förderung von Religion verbessert nichts, sondern hat ein Potential Dinge zu verschlechtern (siehe die lange Liste der kriegerischen Konflikte, die durch Religion begründet wurden). Nur wenn durch die Religion auch andere wünschenswerte (insb. auch im Sinne des Humanismus wünschenswerte) Handlungen entstehen (also z.B. eine Unterstüzung von sozial Schwachen, ein Kampf gegen Rassismus, ein Einsatz gegen Grundrechtsabbau, etc.), dann ist es etwas was man als Staat würdigen sollte. Es wird also der Outcome belohnt und nicht die persönliche Motivation. In sofern ist diese Änderung ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Buchreview 13: Influence (Die Psychologie des Überzeugens)

Mich wundert es gerade selbst, dass ich dieses Buch noch nicht vorgestellt habe. Eigentlich ein Pflichtbuch für jeden. Cialdini beschreibt darin wie Menschen manipuliert werden können. Das schöne an dem Buch ist dass es sich auf wenige dafür aber sehr wichtige Prinzipen beschränkt:

  • Reziprozität („Wie du mir so ich dir!“)
  • Commitment und Konsistenz („Gestern war ich für lila, also bin ich das heute auch noch!“)
  • Social Proof („Ich mag, was meine Freunde mögen!“)
  • Liking („Ich mag denjenigen, der mich mag“)
  • Authority („Oh der hat nen Dr. dann muss es ja stimmen!“)
  • Scarcity („Das letzte Stück Schokolade? MEEEEINNSSS!“)

Ein Bonbon habe ich noch:

Wer zu faul ist ein ganzes Buch zu lesen, kann hier in 10 Minuten auch noch ein sehr schönes Video dazu anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=cFdCzN7RYbw

Diesmal hab ich sowohl die deutsche als auch englische Version angegeben:

Titel: Influence (Die Psychologie des Überzeugens)

Autor: Robert B. Cialdini

Verlag: HarperCollings 2007 (Huber Hans, 2009)

ISBN: 978-0-061241895  (978-3456840536)

Link des Tages 134: Book of Bad Arguments

Die üblichen Argumentationsstrategien. Hübsch und anschaulich gemacht. Ohne viele Worte. Schauts euch einfach an:

https://bookofbadarguments.com/

Buchreview 12: 36 Strategeme

Ein Strategem ist eine Kriegslist, ein Kunstgriff, ein Trick. – Den Ursprung hat es in der Chinesischen Kriegskunst, doch lassen sich viele – wenn auch nicht alle – der Strategeme auf heute übertragen. Es geht um Manipulationen, um Macht um Irreführung etc. Ob man diese Taktiken anwenden mag, muss jeder selbst entscheiden. Die meisten davon finde ich eher verwerflich. Aber das heisst nicht, dass sie nicht wirksam sind. Und man sollte sie auf jeden Fall kennen.

Ein paar Beispiele für solche Strategeme:

  • Nr.7: Aus einem Nichts etwas erzeugen (Trugbilder vortäuschen, Gerüchte erzeugen, etwas aufbauschen um so den Gegner einzuschüchtern)
  • Nr.13: Auf das Gras schlagen um die Schlange aufzuscheuchen (Den Gegner provozieren; einschüchtern oder warnen)
  • Nr. 17: Einen Jadestein hinwerfen, um einen Jadestein zu erlangen (Dem Gegner etwas geben um später mehr zurückzubekommen)
  • Nr.27: Den Tölpel spielen, ohne den Kopf zu verlieren (Sich schwächer darstellen als man ist; inaktivität vorgaukeln um den Gegner in Sicherheit zu wiegen bzw. zu einer Leichtsinnigkeit zu verleiten)

Sehr akribisch gesammelt und aufbereitetes Buch. Allerdings hat man an manchen Stellen doch ein wenig das Gefühl, dass sich die (bis zu 20) Stories bei jedem Strategem wiederholen. Weniger wäre da evtl. mehr gewesen. Besonders schön finde ich die Übertragung auf aktuelle Beispiele. Leider nehmen diese jedoch nur den kleineren Teil des Buches ein.

Insgesamt eine sehr lohnenswerte Lektüre für jeden der sich mit Macht und Politik und insb. den Tricks in diesem Bereich beschäftigt. Ich würde es aber eher als klassische Klo-Lektüre (zum immer mal wieder drin stöbern) empfehlen als zum Durchlesen.

Titel: 36 Strategeme – Lebens und Überlebenslisten aus 3 Jahrtausenden

Autor: Harro von Senger

Verlag: S.Fischer Verlag, Frankfurt

ISBN: 978-3-596-19107-9