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Link des Tages 140: Zaubertricks verraten?!

September 15, 2014

Am Freitag hatte ich einen hervorragenden Workshop mit Hundini über „Mentalmagie“. Im wesentlichen haben wir dabei eine Reihe an Tricks gelernt, die vorwiegend auf psychologischen Mechanismen basieren. Es ist nicht verwunderlich, dass zahlreiche Skeptiker auch Zauberer oder zumindest zauberbegeistert sind. Denn bei wenige anderen Dingen kann man so schnell und nachhaltig verstehen, wie leicht unsere Psyche zu manipulieren ist. Die Faszination daran ist, dass es oftmals verblüffend einfach ist. Man muss nur die Aufmerksamkeit von etwas weg lenken und das tut man, indem man sie zu etwas anderem hin lenkt. Ein wunderschönes Beispiel ist im folgenden TED Vortrag zu sehen (wichtig: in einem Durchschauen ohne Unterbrechungen!):

Doch kommen wir zum eigentlichen Titel des Beitrags: Ist es akzeptabel Zaubertricks zu verraten? – Die normale Zauberethik verbietet dies ja meines Wissens. Trotzdem ist es in Zeiten von Youtube, bei der jeder um die Aufmerksamkeit buhlt keine Kunst mehr, zahlreiche Zaubertricks online zu finden. Und um Betrüger – die so tun als sei es wirklich Magie – zu entlarven ist es mit Sicherheit angebracht, wie man ja am Beispiel von James Randi gut sehen kann.

Auch schon ein paar Jahre her, aber deswegen nicht weniger aktuell ist dagegen der Masked Magician. Er hat sehr viele klassische Tricks veröffentlicht. Wenn man ein paar Tage Zeit hat, kann man sich die ganzen Folgen auch im Netz anschauen:

Interessanterweise scheint es zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen zum Thema „Verraten von Tricks“ zu geben. Die einen haben damit kein Problem und finden es gut, während die anderen der Meinung sind, dass es dem Ganzen die Illusion raubt. Ich gehöre eher zu den ersteren. Ich bin mir ja sicher, dass es nur ein Trick ist (wenn nicht, dann würde es wirklich spannend werden;-)). Wenn ich ihn nicht durchschaue, ärgere ich mich darüber. Ja, ich bin auch beeindruckt und verwundert. Aber es überwiegt der Wunsch es zu verstehen. Andere dagegen können es einfach so hinnehmen sich an der Darbietung erfreuen und das Mysterium als solches stehen lassen.

Ich mache auch im Freundeskreis immer mal wieder kleinere Tricks. Und je nachdem wen ich gegenüber habe, helfe ich sie zu verstehen oder lasse sie im Dunkeln. (Ich verrate sie fast nie direkt, sondern mache den Trick-Anteil nur so offensichtlich, dass die Chancen drauf zu kommen recht gut sind). Eine Enttäuschung darüber habe ich bisher fast nie erlebt, sondern eher eine Freude über den Wissenszuwachs.

Mir selbst geht es so, dass ich selbst Tricks, die ich kenne und vorgeführt sehe, sehr geniessen kann. Insbesondere wenn ich darauf reinfalle und mich täuschen lasse OBWOHL ich den Trick kenne. Ich bin immer wieder fasziniert von der Fingerfertigkeit zahlreicher Zauberer und der Art und Weise wie einfache Tricks neu verpackt plötzlich zu etwas ganz anderem werden. Ich geniesse die Show. Ich geniesse die Verführungskunst. Und ich geniesse die Technik, die Struktur, den Aufbau den jemand konzepiert hat. Ich bin dadurch vielleicht ein anspruchsvollerer Kunde, aber nicht unbedingt ein schlechterer. Und ich bin der Meinung, dass dieses Verständnis von Tricks und der menschlichen Wahrnehmung mir hilft ähnliche Tricks in einem anderen Umfeld – sei es Politik, Werbung, Medien oder Wirtschaft – zu erkennen.

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Und um jetzt nicht nur philosophisch zu labern möchte ich euch noch einen meiner Lieblingstricks verraten. Er ist einfach und schön aber funktioniert nur bei ca. 90% der Opfer. Insbesondere Kinder scheinen dagegen recht gut immun zu sein. Deswegen wird man ihn vermutlich nie von einem professionellen Zauberer sehen.

Alles was man dazu braucht ist ein ganz gewöhnliches Kartenblatt (Randbemerkung: Französisches Blatt. Dieses seltsame deutsche Blatt funktioniert nicht so gut). Es funktioniert wunderbar bei einem Skatabend oder ähnlichem. Denn man muss ein wenig was vorbereiten, das man aber an so einem Abend nebenher unauffällig machen kann. Erwarten die Umstehenen bereits einen Trick, dann wird es schwieriger das Kartenblatt vor den Augen der anderen zu manipulieren.

Alles was man tun muss ist die obersten 3 Karten in dieser Reihenfolge auflegen: Herz 9, Pik 8, Herz 8. (Herz 9 ist also ganz oben danach). Und ganz unten auf den Stapel kommt dann die Pik 9. Damit ist alles bereit den Trick zu beginnen. Mit etwas Geschwurbel leitet man ein, dass Karten ein Eigenleben haben und man das nicht unterschätzen sollte. Ich bitte eine Person die oberste Karte zu nehmen und sie sich zu merken (Hinweis: Je mehr Leute die Karten sehen, desto unwahrscheinlicher klappt der Trick, daher dafür Sorgen, dass nur 1-2 Leute sie zu Gesicht bekommen; oft kommt die Anmerkung, dass ich die Karten doch kennen kann. Das bestätige ich, und erwähne dass es besondere Karten sind (siehe unten)). Um ihnen nicht zu viel Zeit zu geben, fordere ich sie recht schnell dazu auf die Karten irgendwo in den Stapel zu packen und zwar wichtig: getrennt von einander. Dann schiebe ich die Karten mit meinen Fingern zusammen. Dabei mache ich einige seltsame Bewegungen um die Aufmerksamkeit auf meine Finger zu lenken. (ohne aber den Blick auf die Karten zu versperren). Ich frage: „Die Karten sind jetzt auseinander in dem Stapel. Bitte vergewissere dich, dass sie nirgends übersteht, ich sie nicht irgendwo markiert habe, etc.

Sobald sie damit fertig und zufrieden sind, fahre ich fort: „Die beiden Karten die du genommen hast waren keine zufälligen Karten, sondern die beiden Karten gehören zueinander. Sie lassen sich nicht ohne weiteres trennen. Doch genau das hast du gerade gemacht. Das werden sie sich nicht gefallen lassen. Und *schwupps* sind sie wieder beieinander„. Mit den letzten Worten ziehe ich die oberste und unterste Karte vom Stapel und zeige sie ihnen. (Das muss man etwas üben, geht aber mit nicht-speckigen Karten sehr einfach indem man mit dem Daumen unten am Stapel und 2-3 weiteren Fingern oben am Stapel einen ganz leichten Durck aufbaut und mit der anderen Hand die restlichen Karten in der Mitte an der Seite greift und einfach rauszieht.)

Die erste Reaktion ist i.d.R., dass sie glauben die Karten seien doppelt vorhanden (insb. wenn wir die Karten vorher nicht zum Spielen benutzt haben). In diesem Fall mische ich kurz, breite die Karten offen aus und lasse sie nach Doubletten suchen, die es natürlich nicht gibt. Damit kann man wunderbar Leute verblüffen. Und man kann zeigen, wie schlecht unser Gedächtnis doch ist, wenn wir es nichtmal schaffen 2 Karten für 3 Minuten zu merken (etwas Zeit brauchts, deswegen ist das Geschwurbel zwischendurch wichtig). (Manchmal wiederhole ich zum Aufklären den Trick und bringe den Satz: „und diesmal merk dir die Karten auch wirklich!“ und beobachte dann die entgleisenden Gesichtszüge mit sadistischer Freude, wenn der Funke der Einsicht kommt)

Will man die Leute noch etwas mehr verwirren, kann man NACH einer Erklärung des Tricks noch einen anderen Trick anschliessen. Man muss das allerdings vorher vorbereiten und es geht nur mit einem eigenen Kartenspiel. Dafür muss man es schaffen während die Leute noch über den ersten Trick diskutieren, den Kartenstapel so zu verändern, dass man zwei spezielle Karten (z.B. Karo 10 und Kreuz Dame) oben und unten auf den Kartenstapel bekommen. Und zwei Doubletten dieser Karten aus der eigenen Hose auf den Stapel packen. (Dafür braucht man das Blatt doppelt. Deswegen geht es nur mit eigenem Blatt). Den Rest macht man identisch. Diesmal merken sich die Leute die Karten. Allerdings sucht i.d.R. niemand mehr nach Doubletten. Das hatten wir ja vorher schon. Und diesen Teil löse ich normalerweise auch nicht mehr auf, sondern lasse die zwei zusätzlichen Karten unauffällig verschwinden und die Leute verblüfft zurück:-)

So, jetzt kennt ihr einen meiner Tricks. Viel Spass beim ausprobieren, verbessern und verfeinern.

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From → Psychologie, Sonstige

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