Skip to content

Link des Tages 139: „What we’d done in Iraq had been fairly useless“

September 6, 2014

Ich bin ja immer wieder dabei die Medien zu kritisieren. Das Problem dabei ist, dass die Wirkmechanismen bei uns – mit wenigen Ausnahmen – keine offene Zensur, keine direkte Einflussnahme etc. sind, sondern unterschwelliger laufen. Das folgende Interview erklärt die Zusammenhänge sehr treffend anhand des Irak-Kriegs:

Die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht, die in dem Artikel stecken (ggf. leicht ergänzt oder verändert):

  • Es gibt einen Neutralitäts-Bias: das was in einer Gesellschaft als normal erachtet wird, wird bevorzugt berichtet. (Stichwort: Major Consensus Narrative). Abweichende (als extrem angesehene) Dinge, werden nicht berichtet oder durch eine Gegenposition relativiert. Die Wahrheit liegt aber nicht immer in der Mitte.
  • Unbequeme Aussagen haben eine höhere Hürde: Aussagen die dem entsprechen, was berichtet werden soll – also dem ohnehin geteilten Weltbild – werden praktisch ohne Prüfung der Fakten akzeptiert. Berichte von abweichenden Themen dagegen, müssen unverhältnismäßig hohe Hürden übersteigen um berichtet zu werden
  • Fehler haben ungleiche Konsequenzen: Wird etwas im gewünschten Sinne (i.d.R. also im Sinne der offiziellen Deutungshoheit) falsch berichtet und es stellt sich hinterher als falsch heraus, ist das für die Karriere des Journalisten i.d.R. nicht schlimm. Ein kleiner Fehler bei unerwünschter Berichterstattung kann die Karriere kosten. Durch diesen Mechanismus etablieren sich eher konforme Berichterstatter.
  • Es gibt einen Kultur-Bias: Journalisten kommen aus einer bestimmten Kultur und haben daher eine gewisse Weltsicht. (z.B.: „Der Westen sind die Guten“). Aus dieser Sicht wird auch aus anderen Ländern berichtet ohne sich (ausreichend) mit der dortigen Weltsicht auseinanderzusetzen. Das es je nach Axiomensystem (=Grundannahmen) unterschiedliche Wahrheiten geben kann, geht dabei unter.
  • Informationen ohne Kontext: Es werden oft informationen berichtet, ohne diese in einen Kontext zu stellen. Ein Rezipient, der den Kontext nicht kennt, kann diese nicht einordnen und ist daher ggf. emotional betroffen ohne aber weitere Schlüsse ziehen zu können und wendet sich vom Thema ab. Der Kontext wird dann jedoch oftmals von Regierungssprechern etc. geliefert, aber gezielt auf eine bestimmte Reaktion hin.

Ich denke gerne über Systeme in Bezug auf „Fitness“ nach. D.h. die Systeme die in Bezug auf die entscheidenden Punkte eine höhere Fitness haben, setzen sich durch. Wenn wir also Journalisten haben wollen, die möglichst nahe an der Wahrheit berichten, müssen wir die Incentives (=Anreize) anders setzen (was schwierig ist und eine eigene Diskussion wert wäre) und über diese informellen Filter-Mechanismen informieren.

Advertisements

From → Medien, Politik

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: