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Beispiel 26: Burger und die Kunst der Rationalisierung

Juni 26, 2012

Ich war die letzte Woche in den USA. In einer Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo. Dabei konnte ich mich wunderbar bei einem Rationalisierungsversuch beobachten. Der wohl auch funktioniert hätte, wenn ich mich nicht dabei beobachtet hätte.

Doch erstmal: Was ist eigentlich Rationalisierung?

Man führt eine Handlung aus diversen Gründen aus. Diese Gründe müssen nicht rational sondern können Zufall, Manipulationen, Fehlentscheidungen, emotional und so weiter sein. – Wir wollen aber eine Welt die kohärent ist. D.h. die Sinn macht und die in sich geschlossen ist. Also muss unsere Handlung ja auch rational erklärbar sein. D.h. im Nachhinein legen wir uns Gründe zurecht, die es gar nicht gab nur damit die Begründung und die Handlung in sich stimmig werden.

Fragt mal eure Großeltern warum sie sich Heizdecken gekauft haben, und ihr werdet wunderbare Rationalisierungen hören.

Die rationalisierte Geschichte:

Ich ess zwar in der Regel wenig Fleisch, aber ab und zu mal Fleisch essen schadet sicher nicht. Und wenn ich schon in der USA bin, dann muss ich wenigstens einmal einen echten Burger mit allem drum herum probiert haben. Also bin ich am letzten Tag in einen Steakburger Laden und hab zum Mittagessen einen Burger mit Pommes gegessen.

Was wirklich geschah:

Mittagspause; ich bin eh schon etwas spät dran; an den Läden die ich schon kenne bin ich vorbeigefahren und ob noch weiter draußen was kommt, weiss ich nicht. Zurückfahren ist auch irgendwie doof. Der Verkehr nervt mich. Also fahr ich die nächste einfach raus und schaue ob da zufällig irgendwas halbwegs brauchbares dabei ist. Ich will ja eigentlich kein Fleisch essen, hatte in den letzten Tagen schon mehr als genug davon.

Da ist ein Laden „Steakburger“. (Unterbewusstsein meldet sich dumpf: So ein Steakburger sieht lecker aus!).  Das scheint der einzige Laden in der Nähe zu sein. Auf dem Schild haben sie Wrapps die auch vegetarisch zu sein scheinen… also irgendwas vegetarisches wird es hier geben. Die Mittagspause ist ja nicht mehr so lang, und irgendwo muss ich ja rein. Zur Not kann ich ja auch was mit Fleisch essen.

Reingegangen, hingesetzt worden. Karte bekommen. Karte enthält nichts vegetarisches. Ich könnte jetzt wieder gehen. Aber wohin? Und das sähe doch doof aus. Wie würde man mich da wahrnehmen. Ähm nee das ist mir jetzt zu peinlich. Dann bestell ich halt nen Burger. (Unterbewusstsein: Der sieht lecker aus!)

Burger bestellt. Und <klick> fängt die Rationalisierung an zu laufen: So ab und zu ist Fleisch ja gar nicht so verkehrt. Und es ist der letzte Tag. Und einmal einen Burger muss man ja gegessen haben. (und ab aus dem Bewusstsein mit dem Stress, der Fehleinschätzung der Karte und der sozialen Angst) – also eine gute Wahl genau das was ich wollte!

Beim „aus dem Bewusstsein schieben wollen hab ich mich dann erwischt und den Rest rekonstruiert. Tja liebes Gehirn: Du gewinnst zwar meistens, aber diesmal hab ich dich erwischt. (was auch immer dieses „ich“ ist). – Aber versucht euch auch mal bei solchen Rationalisierungen zu beobachten. Kommt viel häufiger vor als man denkt!

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From → Beispiel, Psychologie

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