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Beispiel 25: Trittin, Bilderberg und ein Artikel darüber

Juni 7, 2012

eigentlich würde ich ja gerne weniger Themen aus dem Bereich der Politik bringen, aber irgendwie bietet sich dieser Bereich besonders an.

Den folgende Artikel (Über Trittin / Bilderberg) finde ich sehr lehrreich sowohl was den Fragenden als auch was den Befragten angeht. Lest euch den Artikel bitte erstmal nur ab der ersten Zwischenüberschrift durch und anschliessend ggf. die Einleitung. Welche Arten von Manipulationen bzw. zumindest unsauberem Verhalten fallen euch auf?

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37059/1.html

Hier was ich zu bieten haben:

  • Manipulation durch die Zwischenüberschriften: Zwischenüberschriften dienen dazu das Thema zu strukturieren bzw. Kernaussagen hervorzuheben. Die verwendeten Überschriften dienen eher dazu eine eigene Interpretation des gesagten zu stützen, bzw. die Aufmerksamkeit des Lesers auf einen bestimmten Aspekt zu lenken.
  • Manipulation durch Fragenauswahl: Durch die Auswahl der Fragen, kann man viel in einem Interview beeinflussen. Dies ist grundsätzlich auch nicht zu vermeiden. Bei den Fragen nach den Kosten (insb. der Konferenz) und den dabei entstandenen Umweltbelastungen lässt sich aber schon hinterfragen ob es hier nicht eher um die Darstellung einer vorgefertigten Meinung als um eine echte Frage handelt.
  • Manipulation durch Fragenstellung: Viele der Fragestellungen sind sehr tendentiös. Ein Beispiel: „Wie bewerten Sie als demokratischer Politiker die Geheimniskrämerei der Gruppe?“ – Durch den Einschub* des „als demokratischer Politiker“ wird die Antwortstellung beeinflusst. Man hätte stattdessen auch neutraler formulieren können: „Die Geheimniskrämerei der Gruppe wird oft als undemokratisch kritisiert. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?“. – Wer die Fragen durchliesst wird viele solcher Stellen finden. Ganz vermeiden lässt sich eine gewisse Tendenz nicht, aber so deutlich ist es nicht nötig.
  • Ungeeignete Form (keine Nachfragen möglich): Leider handelt es sich hierbei um lauter schriftliche Fragen. Viele der Fragen bzw. Antworten sind so, dass man eigentlich nachfragen müsste, dies aber nicht kann.
  • Manipulation durch die nachträgliche Einleitung: Eine Einleitung zu den Fragen zu schreiben um sie in einen Kontext zu bringen, ist nicht nur zulässig sondern auch sinnvoll. Aber in den den ersten Absätzen wird auch schon die Bewertung der Antworten vorweggenommen. Dadurch wird man (ebenso wie durch die Zwischenüberschriften) auf ein bestimmtes Thema geprimed (nämlich den Stil des Antwortenden). Ich vermute der Autor wollte zwei Dinge unter einen Hut bringen: Eine Darstellung des Befragten inkl. inhaltlichem Kontext und eine Kritik an der Form der Antworten. Leider führt dies zu einer sehr unsauberen Vermischung. Mir wäre es lieber gewesen da zwei Artikel draus zu machen oder aber sich für eines von beidem zu entscheiden.

Diese Schwächen machen es leider dem Befragten sehr einfach ebenfalls viele sehr unsaubere Stilmittel einzusetzen. Die Antworten enthalten viel (berechtigte) Kritik am Fragenden, aber die Fragen werden – wie ja auch im Artikel kritisiert – oftmals nicht beantwortet.

  • Rhethorische Fragen: Insbesondere in einer schriftlichen Befragung machen Gegenfragen wenig Sinn – Die Fragen sind dadurch alle als rhetorisch zu erachten. Je nach Zählung macht er das in dem Artikel bis zu acht mal. Auch gegen rhetorische Fragen ist nicht grundsätzlich etwas zu sagen. Nicht in Ordnung ist es aber, wenn Sie dazu verwendet werden die Frage zu ignorieren, bzw. keine Aussage zu treffen. Zu erkennen ist dies beispielsweise an der Frage zur Einladung.
  • Ironie: Durch ironische Aussagen kann man den Fragenden ins Lächerliche ziehen und gleichzeitig selbst keine Aussage treffen. z.B. die Aussage in Bezug auf seine späte Geburt.
  • Antwort verweigern: Auf die Frage nach dem Einfluss mit „Langweilig“ zu antworten, kann man nur als komplett-Verweigerung zählen.
  • Eine Antwort geben die nichts mit der Frage zu tun hat: Ein besonders krasses Beispiel findet sich in der Aussage zu Helmut Kohl. Gefragt wurde nach dem Euro als Antwort gibt es etwas zur deutschen Einheit.
  • Es werden Dinge gleichgesetzt die nicht gleich sind: Als Beispiel dazu kann das Thema Transparenz dienen. Die Frage ob sich jeder ohne Öffentlichkeit treffen darf, ist ein völlig anderes Thema als durch die Frage eigentlich angesprochen wird. Durch das „genauso wie“ wird aber eine Vergleichbarkeit suggeriert, die nicht vorhanden ist. (Erleichtert wird diese Manipulation leider auch durch die Fragestellung die eine einfache „Ja“ Antwort erlaubt). Ein anderes Beispiel ist die letzte Aussage, in der „sprechen“ mit „schreiben“ gleich gesetzt wird.
  • Falsche Schlussfolgerungen: Die Aussage „Ein demokratisch gewählter Volksvertreter hat die Pflicht, überall das zu vertreten, wofür er gewählt worden ist.“ finde ich besonders gemein. Abgesehen davon, dass durch diese Aussage die eigentliche Frage nicht beantwortet wurde, wird hier eine höchst obskure Aussage getroffen: Ich wurde für X gewählt, also muss ich X auch ÜBERALL vertreten. Die Frage zielte ja gerade darauf ab ob Trittin die Teilnahme am Treffen nicht hätte ablehnen sollen. Durch diese Antwort suggeriert er, dass er ja geradezu verpflichtet war hinzugehen, da er es ja überall vertreten muss. D.h. er müsste es z.B. auch in Mafia-Kreisen vertreten. Eigentlich wäre die richtige Aussage: Wenn ich irgendwo als Vertreter meiner Wähler auftrete, dann muss ich diese dort auch vertreten. OB ich irgendwo als Vertreter auftrete ist eine ganz andere Frage. – Diese wird nicht beantwortet. (Der Nachsatz „Und so war von Konsens wenig zu spüren. “ kaschiert dies übrigens)
  • Angriffe auf den Fragenden: Eine klassische Verteidigung wenn man keine Argumente hat, ist der Angriff auf den Gegenüber. In diesem Fall wird es dem Befragten zugegebenermassen durch die Frage sehr leicht gemacht. Trotzdem ist die Aussage „Wenn Sie Journalist sind, wissen Sie bestimmt, wo Sie mit solchen Fragen an der richtigen Stelle sind.“ eine völlig unnötige Provokation.

Sowohl die Fragen als auch die Antworten sind letztendlich auf Polemik ausgerichtet. Aus dem Interview kann sich jede die Information rausziehen sie mag. Man kann Trittin toll finden wie er den Fragenden auflaufen lässt oder den Autor weil er Trittin als Intransparent entlarvt. Das Thema gerät dabei leider in den Hintergrund. – Immerhin für Lehrzwecke kann das Ding noch dienen;-)

Hab ich noch Sachen übersehen? Oder falsch Interpretiert? -> Kommentare:-)

* Wer mir sagen kann, wie man dieses rhetorische Stilmittel nennt: Bitte bescheid sagen!

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From → Beispiel, Politik

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