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Beispiel 24: Alle zehn Jahre ein Super-GAU ?

Mai 26, 2012

Kleine Vorbemerkung: Ich bin (insbesondere Aufgrund zahlreicher Manipulationen, Lügen und Verheimlichungen der Atomlobby), ein relativ deutlicher Gegner von Atomstrom. Leider bringen aber auch die Atomgegner regelmäßig haarsträubende Argumente oder „Belege“. Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um einen solchen Fall. Das schlimme daran ist, dass die Schlussfolgerung sogar richtig sein kann. Die Begründung weisst jedoch zahlreiche Fehler auf.

Schon der Titel „die Wahrheit schlichter Mathematik“ provoziert. Bzw. suggeriert etwas, dass so nicht stimmt. Aber zunächst mal der Link zum Artikel von dem ich spreche:

https://www.taz.de/Alle-zehn-Jahre-ein-Super-GAU/!94005/

Hier ein paar Fehler:

  • Fukushima wird gleich mit 3 Kernschmelzen berechnet. Dies ist zunächst korrekt, jedoch sind diese bezogen auf die Wahrscheinlichkeits/Häufigkeitsrechnung nicht als unabhängige Ereignisse zu betrachten. – Dies wird ja auch im Artikel angesprochen
  • Es wird eine lineare Extrapolation in die Zukunft vorgenommen. Das hinkt aber gleich in vielerlei Hinsicht.
    • Zunächst mal ist der beobachtete Zeitraum bzw. die beobachtete Menge so gering, dass sich keine vernünftigen statistischen Aussagen treffen lassen. Deutlich wird dies, wenn man sich das folgende Bild anschaut:
    • Beobachtet haben wir 2 GAUs. Doch auf welchen der Verläufe schliesse ich daraus? (A: Zufall, geringe Frequenz; B: Zufall hohe Frequenz; C: konstant; D: Abnehmende Häufigkeit; E: Zunehmende Häufigkeit; F: parabelförmige Häufigkeit) Die Rechnung geht von Fall C aus. Leider ohne erkennen zu lassen, warum dies plausibel ist.
  • Es wird von einer konstanten Umwelt und Risikosituation ausgegangen. Doch dies ist keinen Falls gesagt. So können bessere Technik und bessere Kontrollen z.B. die Wahrscheinlichkeit verringern, während Kriege, Erderwärmung etc. selbige erhöhen. Insbesondere wird lediglich auf die Betriebsdauer geschaut ohne zu Berücksichtigen, dass auch Materialverschleiss eine Auswirkung haben kann.
  • Das Risiko des Betriebs wird betrachtet, aber nicht berücksichtigt ist das Risiko eines Nicht-Betriebs. D.h. wie hoch ist das Risiko, wenn noch aktives Material im Reaktor ist, dieser aber nicht mehr verwendet wird zur Stromerzeugung?

Vielleicht findet man in der Studie auch genauere Angaben dazu, aber leider finden sich kein Link oder zumindest genaue Infos zu der Studie um sie im Netz einfach zu finden. In sofern ist es zumindest schlechter Journalismus. Sollten die Zahlen auch so platt in der Studie vorkommen (was mich ehrlich gesagt wundern würde), dann wäre es auch wissenschaftlich eine sehr fragwürdige Arbeit.

Update:

Es geht doch nix über die Lektüre von Primärquellen:
http://www.atmos-chem-phys.net/12/4245/2012/acp-12-4245-2012.html
via
http://www.mpg.de/5809185/Kernenergie_nuklearer_Gau
via
http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/alle_10_20_jahre_eine_kernschmelze/
(Danke kumakyoo für die Links!)

Und wie vermutet, ist die Studie in zahlreichen Aspekten deutlich differenzierter. Insb. die Betrachtung auch teilweiser Kernschmelzen (die ja deutlich häufiger stattgefunden haben) bzw. die darin angesprochene nicht -Unabhängigkeit von angeblich unabhängigen Ereignissen sprechen eine andere Sprache. Alle Fragen kann aber auch das Paper bei mir nicht klären.

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From → Beispiel

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