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Beispiel 8: Auch Skeptiker sollte man skeptisch betrachten

Dezember 31, 2011

Über Twitter fand ich den Hinweis auf „das Periodensystem des irrationalen Unsinns“. Fand ich erstmal eine coole Idee. Als ich es mir dann aber genauer betrachtete, wurde mein Grinsen zunehmen zu einem „bestürzt dreinschauen“. Eigentlich hätte man schon bei dem Titel skeptisch werden sollen. Der Inhalt mag ja zu 80% korrekt sein, aber in dieser Form? *kopfschüttel* – damit kann ich nun wirklich nichts anfangen.

Doch zunächst mal der Link um den es mir geht:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/07/das-periodensystem-des-irrationalen-unsinns.php

(etwas besser lesbar evtl. hier: http://1.bp.blogspot.com/-4utcoEELpL8/TWDjNAX6BgI/AAAAAAAADnQ/IMJ9sYpsNSk/s1600/131472933.png)

Fangen wir mal an, dass Ding auseinander zu nehmen:

Religion

Aus Unzufriedenheit über die bestehenden Religionen habe ich meine eigene geschaffen, den otiismus. Aber ein sonderlich religiöser Mensch bin ich nicht, insbesondere den Kirchen stehe ich auch sehr kritisch (im negativen Sinne) gegenüber. Aber Religion pauschal als „Wahn“ und „Unsinn“ zu bezeichnen, halte ich doch für unangemessen.

Nicht nur erfüllt Religion eine soziale Funktion, sie kann auch bei Stress glücklicher machen (http://www.sciencedaily.com/releases/2011/08/110808170052.htm). Es gibt sicher noch eine Reihe weiterer belegter positiver Funktionen von Religion. – Das soll nicht darüber wegtäuschen, dass durch Religionen viel Schaden entstanden ist und auch sehr viel Quatsch in den Religionen verbreitet wird. Aber das Pauschalurteil finde ich doch unangemessen.

Verschwörungtheorien

Diese werden u.a. als „Arschlöcher“ und „Wahn“ bezeichnet. Aber wo ist die Grenze zwischen Theorie und Verschwörungstheorie? Wer entscheidet darüber? Der Begriff Verschwörungstheorie wird sehr oft dazu verwendet, um korrekte Theorien zu diskreditieren mit dem Ziel, dass sie nie geprüft werden. Ein Beispiel zum Irak-Krieg: Dort gab es sehr früh die Verschwörungstheorie, dass alle Beweise gegen den Irak nur von den USA gefälscht wurden. Tja später stellte sich dann raus, dass diese Theorie gar nicht so falsch war: http://denkwiese.blogspot.com/2011/03/cnn-fake-theater-uber-saddams-giftgas.html Daneben gibt es aber auch Seiten die ihre Aussagen als Verschwörungstheorien kennzeichnen um sich damit ein wenig vor einer juristischen Angreifbarkeit zu schützen.

In diesem Bereich ist mir mehrmals aufgefallen, dass Skeptiker sich genau den Sachen schuldig machen, die bekämpfen wollen. Eine Theorie wird gegenüber einer andern lächerlich gemacht. Die Beweise, Indizien und auch die Plausibilität von beiden ist oftmals aber nicht wesentlich unterschiedlich. Man sollte dabei auch die Taktik beachten, wie man korrekte Theorien diskreditieren kann: Indem man sie aufgreift und relativ einfach zu durchschauende falsche Dinge dazu fügt. Mit genügend Man- und Media-Power kann man damit die meisten Theorien vernichten ohne, dass sie jemals wirklich geprüft wurden.Mit etwas Recherche findet man hier sicher genügend regierungsgetriebene Propaganda.

Auch wenn die meisten Verschwörungstheorien in der Tat Quatsch sein dürften und eine Beschäftigung damit eher unproduktiv, halte ich diese pauschale Beleidigung als völlig unangemessen, da (Verschwörungs-)theorien auch einen wichtigen Zweck haben können.

Homöphathie

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Homöphatie nicht besser wirkt als ein Placebo. Aber angesichts der Tatsache, dass Placebos durchaus wirken und die Wirkung gegenüber der Schulmedizin zunimmt (http://www.heise.de/tp/blogs/3/144960), wäre ich etwas zurückhaltender in der Kritik. Insbesondere, da manche Methoden der Schulmedizin alles andere als wissenschaftlich sauber fundiert sind. Das ganze Thema Medikamentenzulassung ist ein Sumpf in dem man sich vermutlich beliebig eingraben kann.

Eher berechtigt ist die Kritik an den Kosten von Homöpathie gegenüber einem Placebo. Wenn man aber beachtet, dass teure Placebos besser wirken relativiert sich auch das etwas (http://www.heise.de/tp/blogs/3/104622) – Trotzdem sollte man hier natürlich weiter daran arbeiten um die Kosten zu senken.

Impfgegner

Impfgegner werden also als Pseudowissenschaft bezeichnet. Äh bitte was? – Den Wissenschaftsanteil machen nicht das Ziel sondern die Methoden und Argumentationsweisen aus. Gerade wenn es um Impfstoffe geht, sind aber teils sehr große finanzielle Interessen im Spiel. Und auch wenn es bei den Impfgegnern sicher viele gibt, die sich eher auf Glauben als Wissen beziehen, so wecken die Verhaltensweisen der Impfbefürwortet viel stärker meinen Widerspruch-instinkt.

*Sarkasmus* Wir erinnern uns ja alle noch an die H1N1-Pandemie die große Teile der deutschen Bevölkerung dahinrafte und bei der die Pharmaindustrie die Impfmittel idealistisch und billig bedarfsgerecht verkaufte… (z.B.: http://www.stern.de/grippe/aktuelles/schweinegrippe-in-deutschland-zahl-der-infizierten-steigt-rasant-707046.html) */Sarkasmus*

Impfen KANN sehr wichtig und nützlich sein, aber Impfen KANN auch schädlich und unnötig sein (siehe z.B.: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Nebenwirkungen/nebenwirkung__node.html?__nnn=true). Wichtig ist es dies unabhängig und so neutral wie möglich zu untersuchen. Eine Bezeichnung als Pseudowissenschaft ist diesem Ziel eher abträglich.

Durch die unpassenden und unnötigen Beleidigungen in der Periodentafel ergibt sich aber auch ein weiterer nicht gerade wünschenswerter Nebeneffekt. Wenn ich jemand als „Arschloch“ bezeichne, dann breche ich damit jegliche Brücke für eine rationale Diskussion ab. Eine vernünftige Diskussion setzt voraus, dass ich die Argumente des anderen ernst nehme und die Axiome der Person hinterfrage. Damit kann man dann versuchen zu diskutieren. Eine Sache die ich gerade durch die Beschäftigung mit diesem Thema lernen will, ist meine erste dogmatische Reaktion „so ein Schwachsinn“ zu unterdrücken, da diese auch zu Fehlschlüssen führt. Dafür ist es aber nötig gewisse eigene Positionen immer wieder zu hinterfragen und zu diskutieren. Dass dies in vielen Bereichen irgendwann keinen Spass mehr macht, weil man bei machen gegen mentale Wände rennt, kann ich auch verstehen. Trotzdem ist der Weg über Beleidigungen und Diffamierungen mit Sicherheit der falsche Weg.

In sofern würde ich mir wünschen, dass mindestens „dogmatischer Skeptizismus“ auch in die Periodentafel aufgenommen wird und die Autoren sich mal ein paar Buddhistische Lehren anschauen, bevor sie mit Beleidigungen um sich werfen;-)

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From → Beispiel, Sonstige

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